Arbeitsgruppe "Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche" des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS

(German National Scientific Committee for the Conservation and Restoration of Wall Painting and Architectural Surface)

Die Arbeitsgruppe "Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche" des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS wurde am 23. April 2010 in München gegründet, auf Initiative einer Gruppe von ICOMOS-Mitgliedern, die sich beruflich, in Praxis und Forschung, mit diesen Fragen befassen. Der Arbeitsgruppe gehören Restauratoren/innen und weitere in der Denkmalpflege tätige Fachleute an, die selbständig bzw. in Institutionen der Denkmalpflege oder an Hochschulen arbeiten. Die Arbeitsgruppe arbeitet eng mit den International Scientific Committees (ISC) von ICOMOS zusammen, insbesondere mit dem ISC "Conservation and Restoration of Mural Paintings". Ebenso arbeitet sie zusammen mit ICOM-CC (Committee for Conservation of the International Council of Museums), hier vor allem mit der "Mural Painting Working Group". Als German National Scientific Committee will die Arbeitsgruppe neben internationalen Fragestellungen insbesondere auch mitteleuropäische, nationale und regionale Aspekte berücksichtigen.

AG
Sprecherin der Gruppe: Prof. Dr. Dipl. Rest. Ursula Schädler-Saub, mit den beiden Vertretern Jürgen Pursche
und Prof. Dr. Dipl. Rest. Nicole Riedl.

Kontakt: Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, Email: wandmalerei@icomos.de

Mitglieder der AG:

Gabriela Aldrete, Köln; Norbert Bergmann, München; Jörg Breitenfeldt, Berlin; Thomas Danzl, Dresden; Tjalda Eschebach, Potsdam; Ivo Hammer, Wien; Ute Joksch, Berlin; Roland Lenz, Esslingen; Mechthild Noll-Minor, Berlin; Michael Petzet, München; Heike Pfund, Berlin; Jürgen Pursche, München; Dörthe Jakobs, Stuttgart; Jan Raue, Berlin; Helmut F. Reichwald, Stuttgart; Nicole Riedl, Hildesheim; York Rieffel, Berlin; Ursula Schädler-Saub, Hildesheim; Matthias Staschull, München.



Was bedeutet "Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche"?

Die fachliche Entwicklung der Wandmalereirestaurierung im deutschsprachigen Raum hat seit den 1970er Jahren zu einer Ausweitung der Definition und des Tätigkeitsbereichs von Restauratoren/innen geführt. Auf der Grundlage eines weit gefassten Verständnisses von Kulturdenkmal befassen sich die auf diesem Gebiet arbeitenden Fachleute nicht nur mit Wandmalerei, sondern generell mit Architekturoberfläche als integralem Bestandteil von Denkmalen. Darunter versteht man Wandmalerei, auch die archäologischen Zeugnisse der Wandmalerei und die Höhlenmalerei, zudem Mosaik, Putz und Stuck sowie ganz allgemein Architekturfassungen und Architekturdekorationen aller Art. Historische Wandmalereien und Architekturoberflächen sind an Fassaden und in Innenräumen mit ihrer architekturbezogenen Ausstattung und ihrer vielfältigen Oberflächengestaltung zu finden, ebenso im Bereich der Archäologie und der historischen Stätten allgemein. Zu berücksichtigen sind sowohl die in situ erhaltenen Kunstwerke und Kulturzeugnisse als auch die aus ihrem originalen Kontext herausgenommenen Stücke, z. B. abgenommene und auf bewegliche Träger transferierte Wandmalereien und Mosaiken, die heute in Museen und Sammlungen präsentiert werden.

Burgfelden, St. Michael, Ostwand

Jüngstes Gericht (um 1070/80), Engel zur Linken Christi: Wandmalerei mit freskaler Abbindung der Vorzeichnung, der ersten Malanlage und einiger Binnenflächen (Foto Dörthe Jakobs)

Regensburg, St. Emmeram, Ringkrypta


Fragmente von Flechtbandmalerei, vermutlich 10. Jh., freskal aufgebaut und a secco ausgearbeitet
(Fotos Jürgen Pursche)

Regensburg, St. Emmeram, Ringkrypta


Fragmente von Flechtbandmalerei, vermutlich 10. Jh., freskal aufgebaut und a secco ausgearbeitet
(Fotos Jürgen Pursche)

Owen, ehemalige Bernhardskapelle, Südwand


christologischer Zyklus (um 1450), Detail der Abendmahlszene: Kalkmalerei. Partiell sichtbar eine Silberstift- vorzeichnung und eine "freskal" mit der Tünche abgebundene, rote Zeichnung (Foto Dörthe Jakobs)

Konstanzer Münster, Margarethenkapelle


Kreuzigung (1445): Temperamalerei. Kopf des gekreuzigten Christus mit stuckiertem und vergoldetem Nimbus sowie Ornamenten in Pastiglia-Technik im Hintergrund
(Foto Helmut F. Reichwald)

Reichenau, Mittelzell, Münster St. Maria und Markus


Gewölbemalereien im Chor (1555), Johannes, bis auf eine Vorgängerrestaurierung und ohne Freilegung nahezu natürlich gealterte Kalkmalerei
(Foto Dörthe Jakobs)

Augsburg, Fuggerhaus, sog. "Badstuben", Zodiakus-Saal


Teilansicht des Gewölbes mit Groteskenmalereien (freskal angelegt und dann a secco in Tempera ausgearbeitet) sowie farbig gefasstem Terrakotta- und Stuckdekor, um 1570, frühestes Beispiel der Rezeption italienischer Renaissance-Raumausstattung nördlich der Alpen; Zustand nach der jüngsten Restaurierung
(Fotos: Jürgen Pursche, Achim Bunz)

Augsburg, Fuggerhaus, sog. "Badstuben", Zodiakus-Saal


Teilansicht des Gewölbes mit Groteskenmalereien (freskal angelegt und dann a secco in Tempera ausgearbeitet) sowie farbig gefasstem Terrakotta- und Stuckdekor, um 1570, frühestes Beispiel der Rezeption italienischer Renaissance-Raumausstattung nördlich der Alpen; Zustand nach der jüngsten Restaurierung
(Fotos: Jürgen Pursche, Achim Bunz)

Augsburg, Fuggerhaus, sog. "Badstuben", Zodiakus-Saal


Teilansicht des Gewölbes mit Groteskenmalereien (freskal angelegt und dann a secco in Tempera ausgearbeitet) sowie farbig gefasstem Terrakotta- und Stuckdekor, um 1570, frühestes Beispiel der Rezeption italienischer Renaissance-Raumausstattung nördlich der Alpen; Zustand nach der jüngsten Restaurierung
(Fotos: Jürgen Pursche, Achim Bunz)

Schloss Seehof bei Bamberg, "Weißer Saal"


Ausstattung von 1751: hervorragend erhaltenes Deckengemälde von J. I. Appiani (Kalkfresko mit Akzentuierungen und Höhungen mit Pastellstiften), hier eine Teilansicht mit der Jagdgöttin Diana; Wände mit weißem Stuckmarmor und ornamentaler Blaumalerei
(Foto Ursula Schädler-Saub)

Würzburg, Residenz, Kaisersaal


Detail einer Stuckfigur von Antonio Bossi über dem Kranzgesims, um 1750, während der jüngsten Restaurierung: differenzierte Oberflächenbearbeitung mit unterschiedlichen Glanzgraden bzw. leicht rauer Oberfläche
(Foto Ursula Schädler-Saub)
 

Die Vielfalt dieser historischen Zeugnisse von der Frühgeschichte bis in die jüngste Vergangenheit ist faszinierend und gleichzeitig eine Herausforderung an die Fachleute: sie müssen sich mit ganz unterschiedlichen historischen Materialien, handwerklichen und künstlerischen Techniken sowie mit den damit verbundenen spezifischen Problemen der Erhaltung, Konservierung und Restaurierung auseinandersetzen. Da historische Zeugnisse der Wandmalerei und Architekturoberfläche im Allgemeinen integraler Bestandteil eines Einzeldenkmals, eines Denkmalensembles oder einer archäologischen Stätte sind, kommen weitere komplexe Fragen der Erhaltung, Nutzung, Präsentation und Vermittlung hinzu. Eine derartige fachliche Herausforderung lässt sich nur in Teamarbeit und im interdisziplinären Austausch erfüllen.

Hildesheim, St. Michael, nördliche Chorschranke, Südseite


Untersuchung der Fassungsabfolgen und des Erhaltungszustandes der Stuckplastik mit dem mobilen Digitalmikroskop
(Foto Nicole Riedl)

Stuttgart-Mühlhausen, St. Veit


Wand- und Deckenmalereien im Chor: Untersuchung der Maltechnik und des Erhaltungszustandes mit Technoskop und Digitalmikroskop
(Fotos Dörthe Jakobs und Satoko Toyoda)

Stuttgart-Mühlhausen, St. Veit


Wand- und Deckenmalereien im Chor: Untersuchung der Maltechnik und des Erhaltungszustandes mit Technoskop und Digitalmikroskop
(Fotos Dörthe Jakobs und Satoko Toyoda)

Schloss Salem, Kaisersaal


Stuckdekoration von Franz Josef Feuchtmayer, frühes 18. Jh.: Gesamtansicht des Saales bei Abschluss der Restaurierung und Detail der Stuckdekoration über dem Kranzgesims bei der farblichen Integration von Fassung und Vergoldung
(Fotos Dörthe Jakobs)

Schloss Salem, Kaisersaal


Stuckdekoration von Franz Josef Feuchtmayer, frühes 18. Jh.: Gesamtansicht des Saales bei Abschluss der Restaurierung und Detail der Stuckdekoration über dem Kranzgesims bei der farblichen Integration von Fassung und Vergoldung
(Fotos Dörthe Jakobs)

Wies bei Steingaden, kath. Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland


Teilansicht des Deckengemäldes im Kirchenschiff von Johann Baptist Zimmermann, Mitte 18. Jh., und Details der Stuckdekoration und ihrer Fassung und Vergoldung während und nach der der jüngsten Restaurierung
(Fotos Jürgen Pursche)

Wies bei Steingaden, kath. Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland


Teilansicht des Deckengemäldes im Kirchenschiff von Johann Baptist Zimmermann, Mitte 18. Jh., und Details der Stuckdekoration und ihrer Fassung und Vergoldung während und nach der der jüngsten Restaurierung
(Fotos Jürgen Pursche)
 

Denkmalpflege und Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche:

Was gehört zu den Aufgaben der hier tätigen Fachleute?

Die Substanz und das Erscheinungsbild von Kulturdenkmalen sind wesentlich durch gestaltete Architekturoberflächen bestimmt, vom Fußboden bis zum Deckengemälde. Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche zählen daher zu den zentralen Aufgaben von Restauratorinnen und Restauratoren in der Denkmalpflege, in Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten. Dazu gehören zunächst die Bestandserfassung, Untersuchung und Dokumentation, das Monitoring, die Pflege und Wartung sowie Maßnahmen der Prävention. Auf dieser Grundlage erfolgen die Konservierung der überlieferten Originalsubstanz sowie Maßnahmen der Restaurierung und Präsentation. Die komplexen Aufgabenstellungen erfordern umfangreiche theoretische Kenntnisse, technische Fähigkeiten, handwerkliches Geschick und ästhetische Sensibilität. Angesichts dieser Anforderungen hat sich inzwischen die akademische Ausbildung durchgesetzt, mit speziellen Studiengängen der Konservierung und Restaurierung, die an einigen deutschen Hochschulen auch den Studienschwerpunkt Wandmalerei und Architekturoberfläche anbieten. Da es sich in der Denkmalpflege zumeist um interdisziplinäre Fragestellungen handelt, kooperieren Restauratoren und Restauratorinnen mit den verschiedensten Forschungseinrichtungen und Materialprüfungsanstalten. Vor Ort, in der alltäglichen Praxis, arbeiten sie zusammen mit Denkmaleigentümern, Gemeinden, Bauämtern und Architekten; neben der operativen Tätigkeit ist die fachliche Beratung dabei sehr wichtig. Zu den Aufgaben von Restauratorinnen und Restauratoren zählt auch die Öffentlichkeitsarbeit, um das allgemeine Verständnis für die Problematik zu fördern und das gesellschaftliche Engagement für die Erhaltung von historischen Wandmalereien und gestalteten Architekturoberflächen zu stärken.

Stuttgart-Mühlhausen, St. Veit


Wand- und Deckenmalereien im Chor: Untersuchung der Maltechnik und des Erhaltungszustandes mit Technoskop und Digitalmikroskop
(Fotos Dörthe Jakobs und Satoko Toyoda)

Stuttgart-Mühlhausen, St. Veit


Wand- und Deckenmalereien im Chor: Untersuchung der Maltechnik und des Erhaltungszustandes mit Technoskop und Digitalmikroskop
(Fotos Dörthe Jakobs und Satoko Toyoda)



Spezielle Herausforderungen bei den Welterbestätten, Beispiele aus Deutschland

Neben den allgemeinen Aufgaben der Prävention, Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche stellen sich bei den deutschen Welterbestätten insbesondere folgende Fragen und Herausforderungen:

Icomos Wie lässt sich die intensive touristische und/oder kulturelle Nutzung einer Welterbestätte mit den Erfordernissen der Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche verbinden?

St. Georg in Reichenau-Oberzell


Problematik intensiver touristischer Nutzung von Welterbestätten, hier St. Georg in Reichenau-Oberzell: kontinuierliches Monitoring, Klimamessungen im Kirchenraum, Messfühler an den Architekturoberflächen mit den herausragenden ottonischen Wandmalereien
(Fotos Dörthe Jakobs)

St. Georg in Reichenau-Oberzell


Problematik intensiver touristischer Nutzung von Welterbestätten, hier St. Georg in Reichenau-Oberzell: kontinuierliches Monitoring, Klimamessungen im Kirchenraum, Messfühler an den Architekturoberflächen mit den herausragenden ottonischen Wandmalereien
(Fotos Dörthe Jakobs)

St. Georg in Reichenau-Oberzell


Problematik intensiver touristischer Nutzung von Welterbestätten, hier St. Georg in Reichenau-Oberzell: kontinuierliches Monitoring, Klimamessungen im Kirchenraum, Messfühler an den Architekturoberflächen mit den herausragenden ottonischen Wandmalereien
(Fotos Dörthe Jakobs)

St. Georg in Reichenau-Oberzell


Problematik intensiver touristischer Nutzung von Welterbestätten, hier St. Georg in Reichenau-Oberzell: kontinuierliches Monitoring, Klimamessungen im Kirchenraum, Messfühler an den Architekturoberflächen mit den herausragenden ottonischen Wandmalereien
(Fotos Dörthe Jakobs)

Krypta der Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg

Problematik intensiver touristischer Nutzung und schwieriger klimatischer Situation, hier die Krypta der Stiftskirche St. Servatius mit ihren Deckenmalereien: nach der jüngsten Konservierung und Restaurierung, abgeschlossen 2006, wird der Erhaltungszustand an ausgewiesenen Monitoring-Flächen regelmäßig überprüft, das Raumklima wird konti- nuierlich gemessen (Foto M. Lehmann)

Würzburg, Residenz


Treppenhaus mit dem Deckengemälde von Giambattista Tiepolo, Zustand nach der jüngsten Restaurierung: intensive touristische Nutzung erfordert eine Überwachung des Raumklimas und besondere Vorkehrungen zur Vermeidung von mechanischen Beschädigungen an den Architekturoberflächen in Reichweite von Personen
(Fotos Ursula Schädler-Saub)

Würzburg, Residenz


Treppenhaus mit dem Deckengemälde von Giambattista Tiepolo, Zustand nach der jüngsten Restaurierung: intensive touristische Nutzung erfordert eine Überwachung des Raumklimas und besondere Vorkehrungen zur Vermeidung von mechanischen Beschädigungen an den Architekturoberflächen in Reichweite von Personen
(Fotos Ursula Schädler-Saub)
 
Icomos Wie können historische Architekturoberflächen von Wohn- und Geschäftshäusern authentisch erhalten bleiben, wie können die praktischen Vorstellungen der Eigentümer und Nutzer dabei berücksichtigt werden?

Regensburg, Kepler-Haus

Problematik der Erhaltung bzw. Rekonstruktion historischer Fassaden- gestaltungen, hier das Kepler-Haus: in den 1970er Jahren nicht angemessen rekonstruierte Fassadenmalerei, und Befundsituation vor Ort, mit Fragmenten eines rot-weißen Zackenbandes und Lilienornamenten (Fassung des 13. Jh.) und einer Wiederaufnahme des Lilien- ornaments (Fassung des 14. Jh.) sowie einer Quadermalerei (16. Jh.) während der Freilegung, vor der Abnahme (Fotos J. Pursche und U. Schädler-Saub)

Regensburg, Kepler-Haus

Problematik der Erhaltung bzw. Rekonstruktion historischer Fassaden- gestaltungen, hier das Kepler-Haus: in den 1970er Jahren nicht angemessen rekonstruierte Fassadenmalerei, und Befundsituation vor Ort, mit Fragmenten eines rot-weißen Zackenbandes und Lilienornamenten (Fassung des 13. Jh.) und einer Wiederaufnahme des Lilien- ornaments (Fassung des 14. Jh.) sowie einer Quadermalerei (16. Jh.) während der Freilegung, vor der Abnahme (Fotos J. Pursche und U. Schädler-Saub)

 

Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Eigentümer z. B. für:

Icomos Architekturoberflächen und ihre Bedeutung für die Vermittlung historischer und ästhetischer Werte

Berlin, Neues Museum

Ein überzeugendes Beispiel der Erhaltung und Präsentation fragmentarisch überlieferter Architekturoberflächen:
- Die fragmentarisch erhaltene Stuckdecke im "Römischen Saal", mit vereinfachter Ergänzung der Fehlstellen
- Blick in den "Modernen Saal" nach Wiedereröffnung des Museums, mit "archäologischer" Präsentation der historischen Architekturoberflächen (Fotos Dörte Jakobs)

Berlin, Neues Museum

Ein überzeugendes Beispiel der Erhaltung und Präsentation fragmentarisch überlieferter Architekturoberflächen:
- Die fragmentarisch erhaltene Stuckdecke im "Römischen Saal", mit vereinfachter Ergänzung der Fehlstellen
- Blick in den "Modernen Saal" nach Wiedereröffnung des Museums, mit "archäologischer" Präsentation der historischen Architekturoberflächen (Fotos Dörte Jakobs)

Dessau, Bauhaus-Ateliergebäude


Erhaltung und Präsentation von Architekturoberflächen der klassischen Moderne: das Bauhaus-Ateliergebäude in Dessau, Außenansicht nach Abschluss der Restaurierung 2000; der historische Kalkputz konserviert, repariert und der historischen Technik entsprechend ergänzt, der Anstrich in Kalktechnik nach Befund - der Erhaltungszustand bis heute gut!
(Foto Thomas Danzl)

Dessau, Bauhaus-Ateliergebäude


Rekonstruktion historischer Raumfassungen nach Befund: das Treppenhaus im Bauhaus-Ateliergebäude in Dessau, mit der in Leimfarbentechnik rekonstruierten Farbfassung, nach dem Farbleitplan von Hinnerk Scheper von 1926
(Foto Thomas Danzl)
Icomos Vergessene und nicht sichtbare Originale

Hildesheim, St. Michael


Nicht sichtbare Originale: Hildesheim, St. Michael, bei der Kircheninstandsetzung im frühen 20. Jh. geborgene figürliche Stuckfragmente der südlichen Chorschranke (abgebrochen im 17. Jh.) und des Lettners (abgebrochen im 16. Jh.).
(Fotos Franziska Wellner)

Trier

Nicht sichtbare Originale: Trier, römische Wandmalereifragmente, aufgefunden und abgenommen bei Grabungen des Rheinischen Landesmuseums Trier auf dem Gelände der Paulinusdruckerei. (Foto RLM Trier). Die restauratorische Bearbeitung der einzelnen Fragmente erfolgt derzeit an der HAWK in Hildesheim; hier: Ansicht eines Fragments nach Abnahme der Kaschierung und Reinigung der Oberfläche (Foto N. Riedl)

Trier

Nicht sichtbare Originale: Trier, römische Wandmalereifragmente, aufgefunden und abgenommen bei Grabungen des Rheinischen Landesmuseums Trier auf dem Gelände der Paulinusdruckerei. (Foto RLM Trier). Die restauratorische Bearbeitung der einzelnen Fragmente erfolgt derzeit an der HAWK in Hildesheim; hier: Ansicht eines Fragments nach Abnahme der Kaschierung und Reinigung der Oberfläche (Foto N. Riedl)
 



Aktuelle Berichte von den deutschen Welterbestätten, Thema Wandmalerei und Architekturoberfläche

Icomos neue Welterbestätte Markgräfliches Opernhaus Bayreuth: die Architekturoberflächen, Problematik der 1930er Jahre Fassung und der Fassung des 18. Jh.
www.sanierung-opernhaus-bayreuth.de
Icomos Welterbestätte Dom und St. Michael in Hildesheim: eine Masterthesis zu einem bei den Bauarbeiten im Jahr 2010 geborgenen Fußbodenfragment des frühen 11. Jh. aus dem Hildesheimer Dom: Mihail Safronov: Ein romanisches Fußbodenfragment aus dem Hildesheimer Dom. Konservierung, Restaurierung und Präsentationskonzept. Masterthesis an der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen, WS 2012/13 Im September 2010 konnte ein Fragment eines romanischen Kalkestrichfußbodens mit ornamentalen Einlagen aus Ziegel und Schiefer aus dem Hildesheimer Dom St. Mariä Himmelfahrt geborgen und einer Entstehungszeit zwischen 1000 und 1022 n. Chr. zugeordnet werden.
Ziel der Bemühungen war die museale Präsentation des Fußbodenfragments auf einem starren Träger. Im Zuge der Masterthesis wurden der kunstgeschichtliche Hintergrund und der technische Aufbau des Fußbodenfragments erarbeitet sowie ein Konservierungs- und Restaurierungskonzept erstellt. Naturwissenschaftliche Untersuchungen unterstützten die Identifizierung von Materialien und Strukturen des Fußbodens. In Bezug auf die spätere museale Präsentation wurden optimale klimatische Bedingungen bestimmt, um die Ausbreitung eines mikrobiellen Befalls zu unterbinden. Im Anschluss an diese Arbeit wurde das Objekt vom Autor der Thesis restauriert und in einer Ausstellung des Hildesheimer Dommuseums präsentiert. Der Text schließt mit einer Dokumentation der Restaurierungsarbeiten. Prüfer: Prof. Dr. Karin Petersen, Dr. Witold Domogalla


Das geborgene und konservierte Fußbodenfragment aus dem frühen 11. Jh. aus dem Hildesheimer Dom (Foto und Konservierung Mihail Safronov, HAWK HHG)

Icomos Transnationales Erbe prähistorische Pfahlbauten um die Alpen: zu den archäologischen Funden in Baden-Württemberg gehören auch Putzfragmente
www.denkmalpflege-bw.de/denkmale
www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/weltkulturerbe/pfahlbauten



Welchen Aufgaben widmet sich die Arbeitsgruppe?

Die Arbeitsgruppe "Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche" des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS arbeitet als National Scientific Committee eng mit dem International Scientific Committee on Mural Paintings und anderen nationalen und internationalen Fachgruppen von ICOMOS zusammen. Die Mitglieder beziehen sich in ihrer Arbeit auf das Grundsatzpapier von ICOMOS zur Erhaltung, Konservierung und Restaurierung von Wandmalereien, das 2003 in Victoria Falls verabschiedet wurde. www.international.icomos.org



Zu den Zielsetzungen und Aufgaben der Arbeitsgruppe zählen:

 

Icomos Sensibilisierung der Fachwelt und der Öffentlichkeit für das vielfältige Erbe an Wandmalereien und Architekturoberflächen und die Möglichkeiten seiner fachgerechten Erhaltung. Das besondere Augenmerk ist dabei auf die deutschen Welterbestätten gerichtet. Die Aufmerksamkeit gilt darüber hinaus aber grundsätzlich allen historischen Zeugnissen der Wandmalerei und Architekturoberfläche.
Icomos Aufbau eines Netzwerks zum Austausch fachlicher Erfahrungen, Erkenntnisse und Entwicklungen auf dem Gebiet der Erhaltung von Wandmalereien und Architekturoberflächen. Dies erfolgt u. a. mit der Besichtigung aktueller Projekte der Konservierung und Restaurierung durch die AG.
Icomos Beförderung und Aktivierung wissenschaftlicher und operativer Kooperationen mit der Bau- und Kunstdenkmalpflege, der Bauforschung und der Archäologie auf dem Gebiet der Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche.


Die AG vor Ort: Diskussion der Gruppe vor dem Schadow-Haus in Berlin (im Bild nicht sichtbar), über die laufenden Restaurierungsarbeiten (Foto Tjalda Eschebach)

Icomos Aufbauend auf den ICOMOS-Principles for the Preservation and Conservation/Restoration of Wall Paintings von 2003, Erarbeiten von Konzepten zur Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche.
Icomos Ausrichtung internationaler ICOMOS-Fachtagungen und kleinerer Tagungen auf nationaler Ebene zu aktuellen Fragen der Erforschung und Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche.

 

Derzeit sind folgende Themen in Planung:

 

Icomos z. B.: Raumfassungen und Architekturoberflächen des 19. Jh.
Icomos z. B.: Wandmalerei und Raumkonzepte der Renaissance
Icomos z. B.: künstliche Grotten des 19. Jh. (Beispiel: Venusgrotte in Linderhof)
Icomos Herausgeben einschlägiger Fachpublikationen zu diesen Themen.

Zur Publikationsliste



Cover der neuen Publikation von B. von Hagen
und J. Pursche über die Badstuben.

Icomos Wahrnehmung beratender Aufgaben bei komplexen Fragen der Erforschung und Erhaltung von Wandmalerei und Architekturoberfläche, für die deutschen Welterbestätten.
Icomos Neue Themen: Graffiti als Kunst, Graffiti als Vandalismus

Aktuelle Projekte der Arbeitsgruppe

Mitglieder der Arbeitsgruppe widmen sich verschiedenen Einzelthemen, an denen gemeinsam und im Austausch mit Hochschulen und anderen Fachinstitutionen auf nationaler und internationaler Ebene gearbeitet wird. Ein aktuelles Thema, das von einer kleinen Gruppe innerhalb der Arbeitsgruppe derzeit bearbeitet wird:

 

Ein GLOSSAR zur Erhaltung, Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche

Vom aktuellen Sachstand ausgehend, will das Glossar-Projekt die teils unklare bzw. missverständliche Terminologie im Bereich der historischen Werktechniken sowie der Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei und Architekturoberfläche mittels präziser Definitionen klären. Es soll ein reich illustriertes Glossar entstehen, mit aussagekräftigen Fotos und schematischen Zeichnungen sowie knappen, einprägsamen Texten, das alle relevanten Themen von den künstlerischen Materialien und Techniken über die Untersuchung und Dokumentation bis hin zu den Maßnahmen der Konservierung und Restaurierung erfasst. Damit soll ein Instrumentarium geschaffen werden, das die Kommunikation unter Fachleuten und allen anderen Personen befördert, die sich im engeren und weiteren Sinne mit Fragen der Erforschung und Erhaltung von Wandmalereien und Architekturoberflächen befassen. Durch die Logik des Aufbaus soll gleichzeitig eine systematische Herangehensweise an die Aufgabenstellung vermittelt werden. Begriffe und Definitionen sollten zunächst auf Deutsch formuliert und dann in weitere Sprachen übersetzt werden.


Glossar-Arbeitsteam der AG in Schloss Nymphenburg, im Spiegelsaal der Amalienburg (Foto BSV)