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Bericht zur 21. Generalversammlung von ICOMOS in Sydney (Australien), 31.8.-9.9.2023


Organisation, Veranstaltungen und Teilnehmende
ICOMOS nimmt Aufgaben als Berater-Organisation der UNESCO gemäß der Welterbekkonvention von 1972 wahr und setzt sich auf globaler Ebene für den Schutz und die Bewahrung von Denkmälern, Ensembles und Kulturlandschaften ein. ICOMOS Australien hat mit der Ausrichtung der 21. ICOMOS-Generalversammlung, die vom 31. August bis 9. September 2023 in Sydney stattfand, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Unter dem Motto "Heritage Changes" war die hervorragend organisierte 21. Generalversammlung ein durchschlagender Erfolg, bei der die Erhaltung des kulturellen Erbes Australiens und der ganzen Welt zentrales Thema war. Die Vielfalt der nationalen und internationalen 1.300 Teilnehmenden aus allen fünf Kontinenten spiegelt die globale Reichweite von ICOMOS und sein Engagement für die internationale Zusammenarbeit wider: Vertretende von mehr als hundert Nationalkomitees und 31 internationalen wissenschaftlichen Komitees waren anwesend. ICOMOS Deutschland war mit vier Delegierten: Claus-Peter Echter, Friederike Hansell, Dora Ivanova und Tino Mager vertreten. Die Generalversammlung umfasste neben der Eröffnungsfeier, dem Scientific Symposium, der Diskussion von Satzungs-, Organisationsfragen und Wahlen auch Exkursionen, beispielsweise zum Opernhaus in Sydney, und endete mit einem festlichen Galadinner.

Scientific Symposium
Das wissenschaftliche Symposium diente als Plattform für die Zusammenarbeit und den Austausch von Ideen zwischen Forschern und Fachleuten im Bereich des Kulturerbes: zu den Themen Resilienz, Verantwortung, Beziehungen, indigenes Erbe, Kultur - Natur Reise, Klimawandel, nachhaltige Entwicklung und Digitalisierung. Auffallend war die Öffnung von eher technischen Aspekten wie Restaurierung, Konservierung und Substanzerhaltung zu neuen Fragestellungen wie Nachhaltigkeit, Migration, Kolonialismus oder zukünftige Denkmalpflege.  
Die Bedeutung der lokalen Bevölkerung wurde durch Prinzessin Dana Fires von Jordanien hervorgehoben. Sie ist eine wichtige Kraft bei der Schaffung der Resilienz des Kulturerbes in Krisen wie Pandemien, Klimawandel, Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten. Wir befinden uns in einer Klimakrise. Ist das Kulturerbe Teil des Problems oder Teil der Lösung? Der Klimawandel gefährdet Kulturerbestätten durch Überschwemmungen und Brände. Andererseits ist das Kulturerbe Teil der Lösung: Das grünste Gebäude ist das bestehende. Cornelius Holtorf, Schweden zufolge sind die Welterbestätten die größten Errungenschaften der Menschheit und das größte Versagen der Menschheit ist der Klimawandel.
Sharon Sullivan, Australien, erklärte: "Beim kulturellen Erbe geht es heute nicht darum, die Vergangenheit zu verherrlichen, sondern die Wahrheit zu erzählen. Es geht um Sklaverei, Minderheiten, Konflikte. Es geht nicht mehr nur um einen Wert - sei es ein ästhetischer, historischer oder architektonischer - sondern um einen vielschichtigen Wert. Er muss entdeckt, dargestellt und akzeptiert werden.“

Resolutionen
Die 21. Generalversammlung genehmigte das vorgeschlagene allgemeine Programm und den Haushalt für 2024-2026 und nahm Entschließungen zu satzungsmäßigen Angelegenheiten und organisatorischen Angelegenheiten an.
Die Generalversammlung verabschiedete außerdem mit überwältigender Mehrheit Resolutionen zum Klimawandel, zu den Menschenrechten und zum Kulturerbe, zu den kulturellen Dimensionen der Sustainable Development Goals (SDGs) sowie zur Einbeziehung indigener Völker und signalisierte damit ein starkes Engagement für diese wichtigen globalen Themen. Auch eine Entschließung zur Genderdiversität bei ICOMOS wurde angenommen.

Ausblick
Icomos beteiligt sich aktiv an globalen Überlegungen zur Entwicklung von Strategien, wie Kulturerbestätten auf globale Herausforderungen reagieren können, und zur Sensibilisierung der verschiedenen Akteure für die positive Rolle des Kulturerbes im Hinblick auf eine resiliente und nachhaltige Entwicklung. Laut der australischen Umweltministerin Penny Sharp geht es beim Schutz unserer Geschichte und Kultur nicht darum, in die Vergangenheit zurückzukehren, sondern um etwas, das wir für die Zukunft tun.

Claus-Peter Echter und Dora Ivanova, ICOMOS Deutschland

(Fotos 1-3: © D. Ivanova; Foto 4: © C.-P. Echter)

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