Bericht zur Jahreskonferenz der Preventive Monitoring-Gruppe von ICOMOS Deutschland, Erfurt, 16.-18. April 2026

Die Monitoring-Gruppe von ICOMOS Deutschland für das präventive Monitoring kam vom 16.-18. April 2026 in Erfurt zu ihrem jährlichen Treffen zusammen. Ziel dieser Zusammenkunft war der fachliche Austausch zum präventiven Monitoring der deutschen Welterbestätten, die Erörterung aktueller Herausforderungen bzw. Fragen sowie die Besichtigung und fachliche Einschätzung der 2023 in die Welterbeliste (unter 1656 - https://whc.unesco.org/en/list/1656) aufgenommenen Welterbestätte „Jüdisch-Mittelalterliches Erbe in Erfurt“.

Die Monitoring-Gruppe, die sich mit der Beobachtung und Beratung der deutschen Welterbestätten im Rahmen eines präventiven Monitorings befasst, besteht aus rund 70 Experten und Expertinnen aus verschiedenen denkmalrelevanten Disziplinen (darunter Kollegen und Kolleginnen von ICOMOS Österreich, Schweiz und Luxemburg) und betreut präventiv die 52 deutschen Welterbestätten (kulturelle und gemischte Stätten); die Welterbestätten Natur werden durch IUCN betreut.

Der Donnerstag (16. April 2026) begann am frühen Nachmittag mit einem fakultativen Rundgang durch die Stadt Erfurt, der dazu diente, das „Jüdisch-Mittelalterliche Erbe in Erfurt“ im stadthistorischen und städtebaulichen Kontext zu verorten. Der Rundgang ermöglichte der Monitoring-Gruppe Eindrücke der räumlichen Verknüpfungen zwischen den Objekten und der bisherigen Tätigkeit an der Welterbestätte und gab Anlass zum ersten fachlichen Austausch.
Am Abend gab es im Rathaus der Landeshauptstadt Erfurt einen Empfang mit Grußworten von Ministerpräsident Mario Voigt, Lars Bredemeier, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Kultur und Welterbe, Sven Ostritz, Präsident des Thüringer Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) und Tino Mager, dem Präsidenten von ICOMOS Deutschland. Zwei Abendvorträge von Rainer Müller (TLDA) zu „Erfurt - ein mittelalterliches Stadtdenkmal“ und von Mark Escherich (Abteilungsleiter, Untere Denkmalschutzbehörde Erfurt) zu „Kern, Zone, Heimat - Altstadt Erfurt“ vertieften und kontextualisierten das am Nachmittag gesehene noch einmal über zahlreiche Karten und Bildquellen. Im Anschluss blieb ausreichend Raum für Austausch und Rückfragen.

Der Freitag (17. April 2026) stand im Zeichen der detaillierten Vor-Ort-Besichtigung der Welterbestätte. Als erstes wurde die Neue Synagoge in Erfurt besucht, die einzige in der DDR neu errichtete Synagoge, entworfen von Willy Nöckel und 1952 eingeweiht. Vor Ort wurde die Monitoring-Gruppe von einer Vertreterin der Gemeinde und einem Mitarbeiter begrüßt, Fragen zur Gemeinde und zur Einbindung in die UNESCO-Welterbestätte wurden gerne beantwortet. Danach ging es weiter zu Orten im Welterbe und damit verbundenen Stätten wie die Alte Synagoge, die Mikwe, das Steinerne Haus, die Dauerstellung im Viertel „Inter Judeos“ und das Patrizierhaus Krönbacken mit Hof. Der Nachmittag war einem offenen Dialog vorbehalten, in dem alle Fragen zur Welterbestätte, zur Vermittlung und zur fachwissenschaftlichen Betreuung erörtert wurden. Wichtig war dabei sowohl das Thema Welterbe-Besuchszentrum und die fachwissenschaftliche Betreuung als auch die Sicherung der kulturellen Bildung in der Welterbestätte.
Insgesamt war unser Eindruck vom Erhaltungszustand, der Vermittlung und der hohen Identifikation mit dem Welterbe sehr gut. Die Monitoring-Gruppe hatte nach den zwei Tagen vor Ort den Eindruck, dass das Welterbemanagement gut funktioniert und die Verankerung in der Landeshauptstadt Erfurt gegeben ist. 

Am Samstag (18. April 2026) fand von 9 bis 15 Uhr die interne Arbeitssitzung der Monitoring-Gruppe statt. An dieser Sitzung nahmen neben den regulären Mitgliedern der Arbeitsgruppe auch zahlreiche Interessierte teil, die eine Mitarbeit anstreben. Die Tagesordnung umfasste eine vertiefte Aussprache zum „Jüdisch-Mittelalterlichen Erbe in Erfurt“, Vorstellung der Interessierten, Nachbesetzungen und organisatorische Änderungen in der Gruppenstruktur, Erläuterungen zu den unterschiedlichen Formaten im Zusammenhang mit der Welterbestätte auf UNESCO Ebene, fachlich relevante Themen wie erneuerbare Energien. Anschließend fanden ein Rückblick auf die Arbeit der Monitoring-Gruppe 2025 sowie ein Ausblick auf Aktivitäten 2026 und auf die aktuellen Belange von ICOMOS Deutschland statt.

Die Monitoring‑Gruppe hat die Besichtigung der Welterbestätte in Erfurt mit einem positiven Eindruck abgeschlossen. Vor dem Hintergrund der städtebaulichen Situation und steigenden Besuchszahlen betonte die Gruppe allerdings die Notwendigkeit, Besuchslenkungskonzepte und geeignete Infrastruktur immer auch im Hinblick auf Denkmalverträglichkeit vorzunehmen - etwa Informationspunkte, Barrierefreiheit und ein Besuchszentrum - weiterzuentwickeln und koordiniert umzusetzen (Standortprüfung, Raumprogramm, Finanzierung).
Die Monitoring‑Gruppe dankt ausdrücklich dem Management des Welterbes der Stadt Erfurt, Karin Sczech, Maria Stürzebecher und Martin Sladeczeck (Stabsstelle Welterbe Erfurt) sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kleinen Synagoge für die vorbildliche und hilfreiche Vorbereitung und engagierte Durchführung des Jahrestreffens. Die fachliche Betreuung, die Organisation der geführten Rundgänge und die offene Gesprächsatmosphäre haben der Monitoring-Gruppe von ICOMOS Deutschland eine umfangreiche Information und Einschätzung ermöglicht.
 
Claus Giersch und Gabriele Horn
 
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Fotos:
Abendempfang im Erfurter Rathaus
Die Monitoring-Gruppe vor der Alten Synagoge
Besuch der Mikwe
Alle Fotos: ©Stadtverwaltung Erfurt

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